26.10.2019

Fade out

Passend zum letzten Eintrag ist hier jetzt auch beinahe Ende. Ein paar Links sind schon gelöscht, es wird nach und nach immer weniger werden... heute fiel mir wieder der alte Schlußsatz aus dem Ur- Logbuch ein: Hier gibt's kein Archiv... Vergänglichkeit und so...











18.10.2019

Historische Technik

Oh, in einer Yahoo- Gruppe war ich auch mal, nämlich bei... ich nenne es mal Mobile- Hippie- Szene- Insider- Forum.

Die mit öltriefenden Oldtimerbussen quer durch Europa von einem Naturschutzgebiet zum anderen fahren, um dort Heilungsrituale für Mutter Erde zu zelebrieren.

Effektive Ernüchterung...

Unsterblich auch die Festivalankündigung: "Wir feiern im Naturschutzgebiet, nehmt Rücksicht auf die Tiere!" Zwei Seiten weiter: "Wir haben einen neuen Subwoofer und wollen einen neuen Lautstärkerekord aufstellen!"

15.10.2019

Realitätsverdrossenheit? Nö.

Letzens wollte ich schreiben: interessanter Gedanke, greift aber m.E. zu kurz, dann kam das Update.

Die Hannah- Arendt- Zitate haben mich dann getroffen wie ein Schmiedehammer.

In einer sich ständig verändernden, unverständlichen Welt hatten die Massen den Punkt erreicht, an dem sie gleichzeitig alles und nichts glauben, denken würden, dass alles möglich ist und dass nichts wahr ist...... Die Massenpropaganda entdeckte, dass ihr Publikum jederzeit bereit war, das Schlimmste zu glauben, egal wie absurd es war, und lehnte es nicht besonders ab, getäuscht zu werden, weil es jede Aussage ohnehin für eine Lüge hielt. Die totalitären Massenführer gründeten ihre Propaganda auf der richtigen psychologischen Annahme, dass man unter solchen Bedingungen die Menschen eines Tages dazu bringen könnte, die fantastischsten Aussagen zu glauben, und vertrauten darauf, dass sie, wenn sie am nächsten Tag unwiderlegbar den Beweis für ihre Falschheit erbringen würden, Zuflucht im Zynismus suchen würden; anstatt die Führer, die sie angelogen hatten, zu verlassen, protestierten sie dagegen, dass sie von Anfang an gewusst hätten, dass die Aussage eine Lüge sei und bewunderten die Führer für ihre überlegene taktische Geschicklichkeit.

...

Vorsicht im Umgang mit allgemein akzeptierten Meinungen, die behaupten, ganze Geschichtsströmungen zu erklären, ist für den Historiker der Neuzeit besonders wichtig, denn das letzte Jahrhundert hat eine Fülle von Ideologien hervorgebracht, die vorgeben, Schlüssel zur Geschichte zu sein, aber eigentlich nichts als verzweifelte Bemühungen sind, sich der Verantwortung zu entziehen.

...

Der auffälligste Unterschied zwischen alten und modernen Sophisten besteht darin, dass die Ältesten mit einem vorübergehenden Sieg des Arguments auf Kosten der Wahrheit zufrieden waren, während die Modernen einen nachhaltigeren Sieg auf Kosten der Realität wollen.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator  ... Nur mal drei herausgegriffen, da gibts noch jede Menge mehr.

Puh. Ich finde ja inzwischen, sich von den Nachrichten abzuwenden, heißt, sich der Realität zuzuwenden. Ich guck mir die kaputte Pumpe im Wechsel der Jahreszeiten an, das ist was Reales.


Um noch eins draufzusetzen, das hatte ich hier schon mal: Religion. Je absonderlicher, desto erfolgreicher:

Stets geht es um höchst unwahrscheinliche Dinge, stets nistet gleich nebenan der Zweifel: Kann das denn wahr sein? Wer fände ohne weiteres zu der Überzeugung, dass wir vom Riesen Aurgelmir abstammen, der aus Eitertropfen entsprang?
So etwas zu glauben, das schweißt zusammen. Und je mehr es tun, desto wahrer wird es. Um den alten Aurgelmir, wie ihn der Schöpfungsmythos der Edda beschreibt, sammelten sich die Germanen. Sie glaubten sogar tapfer, der Riese habe als Erstes unter seiner linken Achsel einen Mann und eine Frau ausgeschwitzt und schließlich einen Sohn gezeugt, indem er die Füße zusammenschlug.

Wer Parallelen findet, darf sie behalten.

06.10.2019

Modellierung komplexer Systeme

UPDATE: So was zum Beispiel.

Hmmmm... jetzt hab ich doch diese Doku gesehen, und da wird ganz am Anfang (2:50... 4:00) kurz erwähnt, wie es zur Eiszeit kam.

Jetzt frage ich mich, ob derartige Naturgewalten mit Um-Drei-Ecken- Effekten sich wirklich modellieren lassen - eine nicht bedachte Randbedingung und das ganze Modell ist nur verheizte Rechenleistung...

Bei hinreichender Komplexität gilt: Man weiß sowas immer nur im Nachhinein.

02.10.2019

Konstruktiver Vorschlag: Energiesparen

Alle Welt redet von der Stromerzeugung, daß der Strom doch bitte aus dem Windrad und der Solarplatte kommen soll. Konventionelle Kraftwerke sollen nur anspringen, wenn der Wind gerade nicht weht, während die Sonne gerade nicht scheint. (Nun läßt sich eine Turbine leider nicht eben mal schnell starten, und außerdem existiert die Erzeugungsleistung doppelt, was sehr, sehr teuer ist.)

Erstaunlicherweise ist kaum davon die Rede, daß Energiesparen der beste Weg zum Umweltschutz ist.

Was mich ernsthaft nervt, ist, daß diejenigen, die vehement irgendwelche Forderungen hinsichtlich der Erzeugung erheben, keine Sekunde lang über Einschränkungen bei ihrem eigenen Energieverbrauch nachdenken.

Darum hier ein Vorschlag, der technisch leicht umsetzbar ist: Das Prinzip ist in der Industrie schon lange im Einsatz, warum nicht auch in den Haushalten?

Wenn der Wind kräftig bläst, die Sonne scheint, also genug Strom erzeugt wird, bleibt alles, wie es ist.

Wird es dunkel und windstill, schaltet ein Relais den Hausanschluß von (sagen wir mal beispielhaft) 3x25 A um auf 1x10 A.


10 Ampere reichen, um den Alltag zu bewältigen, aber man muß rechnen: wenn ein Großgerät mit 2000 Watt in Betrieb ist, wird es eng. Dann muß man sich überlegen, was man noch einschaltet. Das war vor kurzem noch ganz normaler Alltag, und niemanden hat es gestört. Weil es eben so war. Warum sollte das heute nicht mehr möglich sein?

Wenn ich Wäsche waschen will, muß der Kaffee vorher fertig sein. Oder ich muß warten.
Wenn ich den Wasserkocher anschalte, muß ich den Duschboiler ausstecken, damit der nicht zufällig gerade anspringt.
Wenn ich verreise, muß der Kühlschrank in der "sicheren" Steckdose stecken.

Mitzudenken, ist wichtig. Grundsätzlich. Die Veranlassung zum Mitdenken (da bin ich sogar für Zwang, ausnahmsweise) täte einigen Zeitgenossen gut.

Anreiz: wer sich (freiwillig) am Lastabwurfprogramm beteiligt läßt, bekommt den Strom billiger. So ist das m.W. in den Industrie üblich.

(Für Geräte, die auf drei Leiter geklemmt sind (Durchlauferhitzer, die meisten Herde) funktioniert das erst mal nicht. Ob sich ein Elektroherd so anklemmen läßt, daß ein Notbetrieb mit einem Kochfeld möglich ist, weiß ich jetzt nicht.

Und ja, das Thema Ökostrom- Elektroauto taucht hier nicht auf. Das ist nämlich ein Konzept, das nicht funktioniert. Zumindest beim heutigen Stand der Technik.)

19.09.2019

Tagebau, Windrad, Umwelt

Ach ja, hä? Ihr Nasenbären! Was für die Braunkohle in der Lausitz gilt, gilt auch für Lithium in Portugal.*  Siehe hier bei Harald Lesch! Das kann jeder wissen, der es wissen will! Die Hoffnung, zum Vorbild für die Welt zu werden, ist lächerlich. Was hilft eine CO2- Einsparung im nicht meßbaren Bereich, wenn man dafür die Umwelt opfert!
"Auf immer und ewig: Nein. Unsere Antwort ist Nein, das ist der Wille der Bevölkerung. Und wir werden alles tun, unseren und den Willen der Betroffenen durchzusetzen."

So klingt eine Kampfansage. Fernandes gehört zu einer Bürgerinitiative, die sich in Covas do Barroso gegründet hat, einem kleinen Dorf im Norden Portugals, nahe der spanischen Grenze. Hier sollen die Abbaugebiete entstehen: Eine Fläche von 700 Hektar soll dann von bis zu 600 Quadratmeter großen Löchern durchpflügt sein, die 150 Meter tief in die Erde reichen. Für Fernando Queiroga eine schlimme Vorstellung. Er ist Landrat der Region: "Der Landkreis Boticas ist aufgrund der gegenwärtigen Erkenntnisse absolut gegen den Lithiumabbau. Vor allem wegen der Auswirkungen auf die Umwelt."

Die Ablehnung des Landrats ist erstaunlich. Schließlich ist diese Region besonders strukturschwach. Viele Menschen haben die Gegend verlassen, um anderswo Arbeit zu finden. Der Lithiumabbau könnte für Steuereinnahmen und Arbeitsplätze sorgen, die hier so dringend gebraucht werden. Aber die Sorgen um die Umwelt überwiegen - nicht ohne Grund.

Ähnliches Thema: Schneisen der Verwüstung in Wälder schlagen, um Windräder aufzustellen, die nach der Strommenge bezahlt werden, die sie theoretisch liefern könnten** ... - wenn wir so weiter machen, ist der Klimawandel irgendwann das kleinere Problem.


* ... und überall.

** Die Windmüller werden bezahlt für die installierte Leistung, nicht die effektive, (EDIT: die Leistung, die sie einspeisen unabhängig vom Bedarf), deswegen ist das ein bombensicheres Geschäft... (Wenn abgeregelt werden muß, rollt der Rubel trotzdem.)

Aus kundigem Munde weiß ich, daß die Kalkulation der Windmüller aussieht wie in der Hightech- Industrie: es winken sichere und üppige Gewinne, wenn man erst mal im Markt ist. Die Vorleistungen sind irre teuer, deswegen ist ein Projekt, wenn es einmal angekurbelt ist, ziemlich schnell too big to fail und wenn das soweit ist, wird säckeweise Geld hinterhergeschmissen, was dann wiederum ... 

UPDATE: Da ist sie, die Originalmeldung zur zweiten Anmerkung:
Nach Angaben der Bundesnetzagentur konnten im ersten Quartal knapp 3,3 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom wegen Überlastung der Stromnetze nicht eingespeist werden. Damit seien rund 364 Millionen Euro an Ausgleichszahlungen fällig geworden - rund 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) forderte deshalb am Donnerstag einen schnelleren Leitungsausbau von Nord- nach Süddeutschland sowie eine alternative Nutzung für produzierten, aber nicht genutzten Strom.
Macht reichlich eine Milliarde im Jahr. Dafür werkelt man schon mal gerne wild drauf los.

Konstruktiver Vorschlag: Erst mal große Kuckucksuhren bauen. Dann weitersehen.

30.08.2019

22.08.2019

Oberschichtenluxus

Im Mittelalter sprach der Klerus Latein, später sprach der Adel Französisch, heute... wissenschon.

(aus der Marionettenausstellung in Viechtach)

Das ist jetzt auch nur die Illustration zu dem hier.


16.07.2019

We blew it - 50 Jahre später

Heute ist das keine Frage mehr.

"You know Billy, we blew it", sagt Wyatt in der letzten Lagerfeuerszene, und viel ist darüber gerätselt worden, ob das nun nur auf die Protagonisten im Film oder auf die Gesellschaft an sich bezogen war.

23.06.2019

Eric Hoffer - der etwas andere Philosoph

Das Gefühl, wenn sich wieder ein Kreis schließt... ich hake das Thema erst mal ab, denn das geht mir und euch nur sinnlos auf die Nerven.

Ich hab ne Weile rumgeöppelt, um einen eigenen Kommentar zum Originaltext zu machen, aber selbst das laß ich bleiben.

Stattdessen mache ich mir einfach den Kommentar von Harald von der Humanwirtschaftspartei zueigen.

Hoffer führt die Ideologen der Weltverbesserer vor. Deren Fanatismus hat seine Wurzeln in persönlicher Unzulänglichkeit: wer selbst ein erfülltes Leben führt, weil er fähig ist, das eigene Sein kreativ zu gestalten, der habe kein Interesse am Umsturz der bestehenden Ordnung. „Der Glaube an eine heilige Sache ist in hohem Maße ein Ersatz für den verlorenen Glauben an uns selbst".

19.05.2019

Lacher des Tages

"Aus Symmetriegründen!" erschien uns damals im Physikstudium auch immer so superplausibel. Irgendwann fingen wir an, vollkommen unsinnige und unerwartete Dinge zu tun, und riefen dazu "Aus Symmetriegründen!" :D

Hähää.

18.05.2019

Der Fall zeigt, wie gefährlich...

... Vorurteile in der Medizin sein können.

Nein. Schwachsinn. Der Fall zeigt, wie gefährlich postmoderne Klassifikation sein kann.

Als die Ärzte endlich erkennen, dass der Mann schwanger ist, stufen sie ihn sofort als Notfall ein und ziehen Gynäkologen hinzu. ...

Die medizinische Ausbildung sollte sich auch mit Transgender-Patienten auseinandersetzen, fordern die Ärzte. "Der Patient wurde richtig als Mann eingestuft", sagt Stroumsa. "Doch die Klassifikation hat den Blick für seine tatsächlichen medizinischen Bedürfnisse versperrt."

03.05.2019

Furbish Lousewart V.

Seine These war simpel: Alles was die Wissenschaft macht, ist falsch. Wissenschaftler sind böse Menschen. Wir müssen zu einer einfachen, natürlichen Lebensweise zurückfinden. Die Botschaft war für diese Zeit wie geschaffen... Es tat nichts zur Sache, daß die Gelehrten darauf hinwiesen, daß Lousewarts Argumente nicht nur unlogisch, sondern auch zusammenhanglos waren (seine Schüler verachteten Logik und Zusammenhang aus Prinzip). Und es spielte nicht mal eine Rolle, daß er die Unverfrorenheit besaß, die meisten seiner Beobachtungen schamlos aus Roszaks Wo die Wüste aufhört und von Dänikens Gold der Götter zu klauen. Es war eine Verpackung, deren Markt garantiert war. ...

Offiziell wurde Lousewarts Philosophie von Askese, Mittelaltertum und Verzweiflung die Revolution der Gedämpften Erwartungen genannt. ...

RAW, Schrödingers Katze / Das Universum nebenan, S. 65

07.02.2019

21.01.2019

Grüße vom Elektriker

"Nun hat man vor wenigen Wochen die frohe Kunde in die Welt gestreut, Deutschlands Strom sei nun erstmals zu 40% aus so genannten „Regenerativen Energien" gewonnen worden. Für jemanden, der ein bisschen Ahnung hat, eine Schreckensnachricht!

Es ist nämlich nicht so, dass der erzeugte Strom, wenn er erst mal da ist, irgendwo im Netz lauert und darauf wartet, dass jemand sein Cerankochfeld in Betrieb nimmt. Es ist umgekehrt. Wenn die schwäbische Hausfrau ihr Spätzle-Wasser auf den Herd setzt und die Kochplatte einschaltet, dann muss genau in dieser Sekunde der Strom erzeugt werden, der dort angefordert wird. ...

Wird mehr Strom produziert als abgenommen wird, ist es noch relativ einfach. Man kann Generatorenleistung vom Netz nehmen. Bevorzugt solche, die aus Kraftwerken stammt, die leicht regelbar oder ohne Probleme ab- und wieder eingeschaltet werden können. Ein Atomkraftwerk kann man ebensowenig schnell mal vom Netz nehmen wie ein Kohlekraftwerk. Wo Öl verbrannt wird ist es schon einfacher, Gaskraftwerke können sehr schnell angefahren werden, und am einfachsten ist es, die Leistung von Solaranlagen und Windparks abzuwerfen. Aber Letzteres ist verpönt. Die Investoren vertrauen auf ihre hochsubventionierte Einspeisevergütung, die Politik will sich mit großen Zahlen aus Regenerativen Energien schmücken, und so wird der erzeugte Strom über das europäische Verbundnetz dem Ausland angeboten. Teils gibt es dafür noch Geld, teils wird der Strom verschenkt, teils zahlt die Stromwirtschaft dem Ausland noch Prämien dafür, dass überflüssiger deutscher Strom überhaupt abgenommen wird. Dieser Irrsinn wird natürlich unter der Decke gehalten oder mit der kühnen Behauptung: „Wir produzieren mit Hilfe von Sonne und Wind so viel Strom, dass wir die Überschüsse noch exportieren können", ins Gegenteil verkehrt.

Über die andere Seite der Medaille wird nicht gesprochen. Es wird so getan, als käme es niemals vor, dass hoher Strombedarf und unzureichender Ertrag aus Solar- und Windstrom gleichzeitig auf das Netz einwirken würden. Doch genau das kommt, dank des Verlusts der mit Kernbrennstoffen betriebenen Grundlastkraftwerke, immer öfter vor und fordert von den Ingenieuren in den Netzwarten immer wieder Höchstleistungen unter kaum noch beherrschbaren Umständen ab. Die Ansage: „Da holen wir uns den Strom eben aus dem europäischen Verbundnetz", mag noch gelten, wenn bei europaweit normalem Strombedarf in Deutschland Wind- oder Sonnenflaute herrscht oder ein großes Kraftwerk wegen Wartungsarbeiten vom Netz genommen werden muss. Sie ist aber vollkommen unverantwortlich, wenn ganz normale „Risikolagen" betrachtet werden. Der erste Wintereinbruch dieser Saison hat das französische Stromnetz an den Rand des ganz großen Black-Outs gebracht. Von dort wäre in dieser Situation keine einzige Kilowattstunde ins deutsche Netz gelangt, was bedeutet, dass auch Deutschland abgeschmiert wäre, hätten wir gleichzeitig bei geringer Leistung der Regenerativen einen erhöhten Strombedarf bewältigen müssen.

Die deutsche Stromversorgung ist – politisch gewollt – vom Status hoher Versorgungssicherheit mit ausreichenden Kraftwerksreserven unversehens in den Status gerade noch ausreichender Versorgungssicherheit mit unzureichenden Kraftwerksreserven überführt worden. Dass wir dafür in Deutschland als Endkunden die höchsten Strompreise zu bezahlen haben, illustriert den Irrsinn zusätzlich, ist aber im Hinblick auf die E-Auto-Quote gar nicht relevant.

Fakt ist: Wir haben die Stromerzeugungskapazitäten, die erforderlich wären, um eine Pkw-Flotte mit einer tatsächlich CO2-Emissions-relevanten E-Automobil-Quote betreiben zu können, schlicht und einfach nicht verfügbar, und die Kapazitäten, über die wir verfügen, sind zu einem hohen Anteil (40%) extrem witterungsabhängig, also keineswegs zuverlässig nutzbar.

Fakt ist ferner: Selbst wenn wir über die notwendigen Stromerzeugungskapazitäten verfügten, käme der Strom nicht dort an, wo die E-Automobile aufgeladen werden müssten.

Das weiß Lieschen Müller nämlich üblicherweise auch nicht, dass Strom nicht in jedem beliebigen Leiter transportiert werden kann. Fließt zu viel Strom in einem Kabel, das dafür nicht ausgelegt ist, wird das Kabel heiß und gerät in Brand. Die Sicherungen in den Sicherungskästen der Wohnungen sind nicht dazu da, unvorsichtige Heimwerker vor Stromschlägen zu schützen, sie sind dazu da, das Abbrennen von Häusern wegen überlasteter Stromleitungen zu verhindern.

Die Leitungen, die heute den Stromtransport von den Kraftwerken zu den Umspannungsanlagen, von den Umspannungsanlagen zu den Ortsverteilungen und den Transformatoren, die unsere Netzspannung herstellen, bewältigen, sind so dimensioniert, dass sie eine Normallast problemlos und Spitzenlasten kurzzeitig verkraften können. Für den Ladestrom von am Ende mehr als 40 Millionen Personenkraftwagen sind sie nicht ausreichend dimensioniert.

Wie viel mehr Strom würden wir denn brauchen?

Kleine Nebenrechnung:

40 Millionen Pkw mit einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 12.500 Kilometer benötigen bei einem Durschnittsverbrauch von 7 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer insgesamt 35 Milliarden Liter Sprit, unter Berücksichtigung des im Vergleich zum Elektromotor geringeren Wirkungsgrades wären für die gleiche Fahrleistung 280 Milliarden Kilowattstunden oder 280 Terrawattstunden Strom erforderlich. Pro Tag ca. 770 Gigawattstunden, was bei gleichmäßiger Ladelast zusätzliche Kraftwerkskapazität von über 30 Gigawatt erfordern würde. Nun kommt jedoch das Theater mit den Ladezeiten dazu. Gefahren wird überwiegend tagsüber, mit Schwerpunkt in den so genannten rush hours, also zwischen etwa 6 und 9 Uhr morgen und 16 und 19 Uhr abends. Überwiegend würden die Ladezeiten also  mit rund 11 Stunden in die Nachtzeit fallen und – soweit Steckdosen auf den Firmenparkplätzen verfügbar sind, etwa 7 Stunden tagsüber anfallen. Doch auch für diese 18 Stunden ist eine gleichmäßige Ladelast die reine Illusion. Im Gegenteil, es muss damit gerechnet werden, dass in der Zeit zwischen 19 und 24 Uhr 80 bis 90 Prozent aller Ladevorgänge stattfinden, die sich in diesem Zeitraum zwangsweise für eine gewisse Zeit, und sei es nur eine halbe Stunde zeitlich überschneiden. In dieser halben Stunde müssten dann zusätzliche 600 Gigawatt ins Netz eingespeist werden. Die gesamte installierte Leistung aus allen Quellen liegt derzeit aber nur bei knapp über 200 Gigawatt.

Natürlich kann man mittels technischer Vorrichtungen Last „abwerfen", also schlicht keinen Strom liefern, um die Überlastung der Netze zu vermeiden. Das ist, für bestimmte Maschinen mit hohem Stromverbrauch bei denen es nicht auf kontinuierliche Energiezufuhr ankommt, schon heute möglich. Diese Technik auf Millionen von E-Auto-Ladeports zu übertragen, zentral gesteuert von den Netzbetreibern, ist auch nicht schwierig, das konnte man bei den außer Dienst gestellten Nachtspeicheröfen auch schon, ganz ohne Internet der Dinge und ohne 5G übrigens. Die Signale wurden über die Stromleitungen versandt und von so genannten „Rundsteuer-Empfängern" in den Sicherungskästen empfangen und umgesetzt.

Das Problem besteht darin, dass der einzelne Pkw-Nutzer nie mehr wissen wird, ob er am Morgen tatsächlich die volle Reichweite (die sowieso schon zu wünschen übrig lässt) zur Verfügung haben wird, oder nicht, und nicht einmal zu wissen, ob seine Batterie, wenn er nur noch zwei drei Stunden wartet, bevor er losfährt, auch wirklich voll sein wird.

Damit würde Deutschland in den Status eines gerade von einer Koalition der Willigen zusammengebombten Staates fallen, wo Stromabschaltungen und -Rationierungen das einzige Mittel sind, um die knappen Ressourcen nach den Erfordernissen der Kriegswirtschaft zu verteilen." (EWK)

03.12.2018

Poststrukturalismus. Ab wann begann es, schief zu laufen?

(Titel geklaut bei "Guru")

Soup ist wieder kaputt, das hat mich aus dem Flow der Fortsetzungen gebracht, außerdem ändern sich die Prioritäten, wenn die Temperaturen sinken. Damit ich das jetzt mal aus der Pipeline kriege, hier zumindest noch mal der Anfang plus der dritte Teil:

Sicher habt ihr das hier schon ergoogelt:

"Alle Richtungen des Poststrukturalismus betreiben eine rigorose Semiotisierung der Welt und der Wissenschaft, anders ausgedrückt, die Wirklichkeit erschöpft sich für sie in Zeichen und Zeichensystemen. Oder noch drastischer: Sie behaupten, es gebe keine Wirklichkeit außerhalb der Sprache...

Ursprünglich in der Literaturwissenschaft beheimatet, wurde der Poststrukturalismus zu einer umfassenden Kulturtheorie weiterentwickelt, in der die Welt als Text betrachtet wird. Eine außersprachliche oder außersemiotische Wirklichkeit, auf die der Text verweise, existiere nicht...

Außer dem Tod des Subjekts behaupten die Poststrukturalisten auch den Tod der Geschichte, der Vernunft, der Wahrheit, des Autors etc.

Ende der subjektiven Verantwortung: Es gebe keinen Täter hinter der Tat. (Nietzsche: »Niemand ist für sein Wesen verantwortlich, niemand für seine Taten.«)

Partikularismus: Hierarchisch organisierte Theorien und Systeme werden ebenso abgelehnt, wie jeder Monismus und Universalismus. Stattdessen werden Einzeluntersuchungen angestellt. ...

Gegen Marxismus: Die ökonomischen Gesetze seien den Gesetzen der Sprache und der Struktur des arbiträren Codes unterworfen und spiegeln dieses wider. [Selbst soziale Ungleichheit und Wirtschaftskrisen sind Sprach- bzw. Zeichenprobleme.] ...

Ignorierung oder Minderbewertung der Naturwissenschaften.

Abwertung des empirisch Feststellbaren zugunsten meist sinnloser Abstraktionen.

Durch die Ablehnung der Vernunft kommt eine Beliebigkeit oder Verspieltheit hinein.

Die Poststrukturalisten sind weitgehend elitär und unpolitisch."

Das, meine Damen und Herren, ist die gängige "Philosophie", an der niemand vorbeikommt, der an einer geistes'wissenschaftlichen' Fakultät studiert. Was dort abgeht, kann sich außerhalb dieser Blase niemand vorstellen.


Habt ihr die Grundidee schön verinnerlicht?

"Es gibt keine Wirklichkeit, nur Konventionen, Interpretationen, Konstruktionen. Falls es unwahrscheinlicherweise doch so etwas wie Realität geben sollte, ändert sie sich, je nach dem, wie ich sie gerade konstruiere. Wenn ich mir morgen etwas Neues ausdenke, zum Beispiel ein neues Geschlecht für mich erfinde, dann gibt es das auch, und die Welt hat das zu akzeptieren. Wenn jemand etwas anderes sich ausdenkt, daß z.B. die Erde ein Würfel ist, und ich sage, nein, eine Eiswaffel, dann sind das zwei gleichberechtigte Meinungen und wir können das so nebeneinander stehen lassen. 'Die Wahrheit' ist auch nur ein Konzept, die gibt es in Wahrheit nicht.

Das haben wir auf der Uni, der höchsten aller Bildungsanstalten, gelernt. Muß also stimmen.

Jetzt schreibe ich irgendeine Behauptung mit passend gemachter Beweiskette auf (je abgefahrener und unverständlicher, desto besser), und kriege dafür ein Diplom.
Dann habe ich also einen klangvollen Hochschulabschluß, der auf dem Papier so viel wert ist wie ein Ingenieurstudium, nur leider weder brauchbare Fähigkeiten noch belastbare Argumente. Was macht man damit? Na klar: ich gehe dahin, wo man mit Geschwurbel durchkommt.

Die verpeilte Variante: der Guten Fee vom Sozialamt erklären, daß ich endlos überqualifiziert und dennoch zu nichts zu gebrauchen bin.
Die Profi- Variante: an der Uni bleiben (bei Tausenden, die das wollen, stehen die Chancen natürlich schlecht).
Oder vielleicht in die Politik? Oder irgendwas mit Medien? Projektmanagement vielleicht?"

Na ja, hm. Das ist nicht einmal grob karikiert. Ich selber bin vor Jahrzehnten durch eine Kette von Zufällen in einem GW- Studium gelandet (und aus --ähem-- Faulheit dabeigeblieben), war zwischendrin in der Politik, habe nach dem Abschluß noch ein bißchen... - na ja, egal. Ich kenne das Tollhaus von innen. Und wenn ich mir heute vorstelle, daß diese Wirrköpfe, die ich da kennengelernt habe (und von denen ich einer war), heute in achtbaren Positionen sitzen, und nicht alle die Erkenntnis, daß alles Bullshit war, hatten... au weia.


Ich mache mich übrigens nicht lustig über die Posties. Ich hege auch keinen Groll.

Daß man beim Philosophieren den Kompaß verlieren kann, passiert nun mal. Niemand ist frei davon. Das ist eben so. Weiß ich ja selbst am besten... Und Hand aufs Herz: Wenn der Hippietraum akademische Weihen hat, dann träumt er sich doch noch mal so schön, oder etwa nicht? Wer kann da widerstehen?

Bestandsaufnahme: Wir haben es mit einer großen Anzahl hoffnungsvoller junger Leute zu tun, die sich in eine intellektuelle Sackgasse studiert haben. Behauptungsliberalismus. Alle können alles behaupten, wem's nicht paßt, der soll das Gegenteil beweisen, aber ein Kriterium für die Wahrheit gibt es sowieso nicht.

Fatal ist jetzt: die Suche nach Schuldigen für das erwartbare Scheitern. Daß die Welt kein Ponyhof ist, kann doch nur an allgegenwärtiger Diskriminierung liegen! Daß niemand uns einen hochbezahlten Job anbietet, ist ein Zeichen für strukturelle Gewalt! Usw... usw...

Pranz nannte man das früher. Geschwätz. Die Folge: Beliebigkeit. Zersplitterung.
Nun braucht es eine Klammer, um das Zersplitterte wieder zusammenzubringen. Dazu eignen sich traditionell Religion und Krieg.
Welche Religion sich die Posties ausgedacht haben, ist sattsam bekannt, und welchen Kampf sie kämpfen, auch.

Zur Sache, Schätzchen, laß endlich die Katze aus dem Sack! Worauf willste jetzt hinaus?

Ich werfe den Posties vor, den Begriff "links" gekapert zu haben. Etwa so:

"Wir sind die Sachwalter des Geistes von 1968. Wir sind die Avantgarde. Wir sind progressiv. Wir sind links. Wer uns kritisiert, muß also rechts sein. Wer rechts ist, ist eigentlich rechtsextrem. Also außerhalb des demokratischen Spektrums. Also müssen wir gar nicht diskutieren. Nicht mal zuhören."

Nein. Der Beginn der Argumentationskette ist nur eine Behauptung. Dann kommen ein paar Fehlschlüsse. Das Ende ist Totalitarismus in Reinform.

Wer unteilbare Menschenrechte proklamiert statt Spezialgruppensonderrechten, ist rechts?
Wer Genderideologie und vergleichbares Zeugs für unwissenschaftlichen Unfug hält, ist rechts?
Wer sagt, daß der Aufkreisch - Feminismus absolut nichts mit der Frauenrechtsbewegung zu tun hat, ist rechts?
Wer sagt, es kann auch andere Gründe für persönliches Scheitern geben als Diskriminierung, ist...
Wer sagt, jetzt ist es allerhöchste Zeit, die Wiederkehr der Religion auszubremsen...
(usw. usw. usw...)

Nein. Wer auf jede Äußerung von Zweifeln mit der größtmöglichen Keule kloppt, ist offenbar intellektuell am Ende.


Wenn nun das, was die Mehrheit als konsensfähig ansieht, nämlich das ganz unspektakuläre, langweilige, traditionelle Leben, in dem Wissen und Können zählt, von einer lautstarken selbsternannten Avantgarde in die rechte Ecke geschoben wird, dann ist das eine Verharmlosung der extremen  Rechten. Wenn die Bürgerliche Mitte mal eben so ohne jegliches Augenmaß mit Neonazis in einen Topf geschmissen und bekämpft wird, dann hört man die Herren Stalin und Mao lachen. Dieses Gelächter ist mittlerweile so laut, daß es nicht mehr überhörbar ist. Es wenden sich immer mehr mit Grausen ab.

Es gibt weniger einen Rechtsruck, es gibt vielmehr eine Linksflucht.

Die Mitte sagt inzwischen: Die Linke hat jahrelang auf uns eingeprügelt und behauptet, wir wären "rechts", weil wir nicht jeden ihrer Hirnfürze inhaliert haben, dann rutscht uns doch den Buckel runter.

Daß das passiert ist, ist die unverzeihliche Sünde der postmodernen Pseudolinken. Das war nicht unausweichlich, und das war ohne großartige Denkleistung schon vor Jahren absehbar. Das hätte vermieden werden können.

Nein, die Poststrukturalisten sind nicht "links". "Links" heißt integrierend, solidarisch, meinetwegen gewerkschaftlich oder sozialdemokratisch und so. Die Posties schließen jeden aus, der nicht den kompletten Katalog spinnerter Ideen im Ganzen unterschreibt. Damit sind sie so antidemokratisch wie die äußerste extreme Gegenseite.

Ich beteilige mich nicht an der Diskussion, ob "links" und "rechts" gleich schlimm oder überhaupt das Gleiche oder wie auch immer sind. Ich ziehe auch keine historischen Vergleiche.
Das einzige, worauf ich bei dieser Fortsetzung hinauswill, ist der Satz mit der unverzeihlichen Sünde.


Soweit der liegengebliebene Text. Kommt mir arg unvollständig vor, aber für mehr hab ich jetzt keine Zeit. Anlaß war übrigens die Frage, ob "die Medien" lügen. Hatte ich erst mal abgewimmelt, und drei Wochen später die Antwort gegeben: "Nein. Sie lügen nicht. Diese Leute glauben selbst, was sie da schreiben." Der Text ist sozusagen die Langfassung der Antwort...

12.08.2018

Die Zeit ist um, das Lied ist aus, war da noch was?

https://vimeo.com/246617510

Das war meine erste Begegnung mit großer Rockmusik. Eine meiner ersten Kassettenaufnahmen, so um 1980 rum.

26.07.2018

Text des Tages

Vor Kurzem saß ich mit einem buddhistischen Mönch, Leiter der buddhistischen Fakultät in Phnom Penh, im kambodschanischen Siem Reap beim Frühstück. „Ihr müsst doch sehr glücklich sein in der Schweiz und in Bayern", fragte er, „oder?" Ich wollte nicht aus Höflichkeit lügen und beschloss, ihm die Wahrheit zu sagen. „Nein, wir sind eigentlich meistens unglücklich." „Aber warum?", fragte Kou Sopheap mich. „Weil wir ein Recht aufs Unglücklichsein haben. Wir müssen keine soziale Ausgrenzung fürchten, wenn wir unglücklich sind. Wir können uns jeden Morgen unbeschwert für einen weiteren unglücklichen Tag entscheiden."

https://www.rubikon.news/artikel/die-andere-welt