01.07.2018

Das Problem der gelösten Probleme

Ihr habt ja sicher die Krasse Scheiße des Tages gelesen... hier gibts das Ganze (nein, die Zusammenfassung) auf deutsch in der Süddeutschen:
Überall Rassisten, Sexisten, überall Flüchtlinge, Gutmenschen, überall Umweltzerstörung, Verschmutzung, überall Armut, Siechtum, Überlastung, Stress, Burn-out. Doch die apokalyptische Bestandsaufnahme trügt. In sehr vielen Bereichen haben wir so große Fortschritte erzielt, dass sich Sorgen, Ärger und Wut nun an Problemchen entfachen, die zuvor quasi unterhalb der Wahrnehmungsschwelle lagen. Dummerweise verändert sich das Entrüstungs- und Empörungsniveau nicht, der Schaum vor dem Mund bleibt der gleiche.

Diese Eigenart der Wahrnehmung sorgt für den Eindruck, die Menschheit sei außerstande, Probleme zu lösen, und als entwickle sich alles zum Schlechteren. ...
Die Experimente zeigen: Wenn sich ein Problem löst, weiten Menschen reflexartig dessen Definition aus. "Wenn Probleme seltener werden", sagt Gilbert, "betrachten wir automatisch mehr Umstände als problematisch." Die Ergebnisse legten nahe, dass wir immer kritischer auf den Zustand der Welt blicken, je stärker sich dieser zum Positiven entwickelt. "Es scheint so zu sein, dass sich der Fortschritt selbst verbirgt", sagt Gilbert.
Das ist ja nun eigentlich eine Alltagsbeobachtung, aber jetzt haben wirs mal als Studie. (via)
Die Forscher untersuchten diese gesteigerte Sensitivität, indem sie ihren Probanden eine abstrakte Aufgabe stellten. Die Versuchspersonen sollten blaue Punkte auf einem Display identifizieren und zählen. Die Färbung der Kleckse changierte von eindeutig Lila in graduellen Abstufungen zu eindeutig Blau, eine simple Aufgabe. Sobald die Psychologen aber die Zahl der blauen Punkte reduzierten, veränderte sich die Wahrnehmung der Probanden - sie weiteten ihre Definition von "Blau" aus und werteten nun auch lila Punkte als Blau. Das Muster zeigte sich zudem unter verschiedenen Bedingungen: egal, ob die Zahl der blauen Punkte langsam oder auf einen Schlag reduziert wurde. Sogar wenn die Probanden gewarnt wurden, dass weniger blaue Punkte auftauchen würden und ihnen Geld als Belohnung für eine exakte Zählung versprochen wurde, änderte das deren Wahrnehmung nicht: Sie nahmen lila Kleckse nun häufig als blaue wahr.
Na klar, wer meint, daß da etwas Bestimmtes zu sehen ist, wird das auch überall sehen.