03.07.2018

Die Große Welt im Kleinen

Ahhh ja. Das kommt mir doch sehr vertraut vor. Leute aus der Stadt wollen in einem Dorf ein unerhört realistisches Projekt starten. 

"Endlich", sagt er. Drei Jahre hat es gedauert, bis aus einer Idee die ersten Balken wurden. Eine Ewigkeit, wenn man wie Hagelstein und seine Mitstreiter die drängendsten Probleme dieser Zeit lösen will.

Denn Hagelstein und die anderen Planer des Zukunftsdorfs haben Großes vor. Die etwa 20 Frauen und Männer wollen ein neues Zuhause für 300 Menschen bauen – 100 Junge, 100 Alte, 100 Geflüchtete. In Hitzacker wollen sie eine Dorfgemeinschaft aufbauen, in der sie miteinander leben und sich gegenseitig helfen. Sie wollen gemeinsam Gemüse anbauen und kleine Läden betreiben. Die Jungen sollen für die Alten da sein, wenn sie pflegebedürftig werden, Alleinstehende die Kinder der jungen Eltern hüten. Wie früher auf dem Dorf, nur dass alle freiwillig hier sind und Internetanschluss haben.

Die Genossenschaft, das sind Altlinke wie Hagelstein, aber auch eine pensionierte Pastorin und ihre Lebensgefährtin, Menschen aus Hamburg, Berlin, Hannover. Sie eint die Sehnsucht nach Gemeinschaft und vielleicht auch nach einem sinnvolleren Leben. Momentan sind es noch deutlich mehr Alte als Junge und noch weniger Flüchtlinge, die anderes zu tun haben, als im Dorfplenum Konsensentscheidungen herbeizudiskutieren, während sie zwischen Ausländerbehörde, Deutschkurs und Wohnheim pendeln. Aber wenn das Dorf erst steht, ist Hagelstein überzeugt, werden sie kommen.

Super Sache, wird bestimmt ganz prima.

Nüchtern gesehen gibt es zwei Probleme mit dem Dorfprojekt: Die Genossenschaft will etwas bauen, das nach dem aktuellen Bebauungsplan aus den Neunzigern so nicht vorgesehen ist. Deshalb muss dieser Plan geändert werden. Das gefällt vor allem denjenigen nicht, die vor Jahrzehnten ihre Häuser in der Annahme kauften oder bauten, sie würden am Ende einer Sackgasse wohnen und nicht neben einer Durchfahrtsstraße zu einem Parkplatz, den die Genossen planen, weil das Dorf selbst autofrei sein soll.

Das zweite Problem: Das Gewerbegebiet nebenan ist zu laut, genauer gesagt, es überschreitet in den Abendstunden den zulässigen Grenzwert von 45 Dezibel um knapp drei Dezibel. Als der Acker noch ein Acker war, hat das niemanden interessiert. 

Was bauen die aber auch ein Gewerbegebiet ausgerechnet da hin, wo wir Jahrzehnte später es mal autofrei und ruhig haben wollen? Scheiß Spießer!