21.01.2019

Grüße vom Elektriker

"Nun hat man vor wenigen Wochen die frohe Kunde in die Welt gestreut, Deutschlands Strom sei nun erstmals zu 40% aus so genannten „Regenerativen Energien" gewonnen worden. Für jemanden, der ein bisschen Ahnung hat, eine Schreckensnachricht!

Es ist nämlich nicht so, dass der erzeugte Strom, wenn er erst mal da ist, irgendwo im Netz lauert und darauf wartet, dass jemand sein Cerankochfeld in Betrieb nimmt. Es ist umgekehrt. Wenn die schwäbische Hausfrau ihr Spätzle-Wasser auf den Herd setzt und die Kochplatte einschaltet, dann muss genau in dieser Sekunde der Strom erzeugt werden, der dort angefordert wird. ...

Wird mehr Strom produziert als abgenommen wird, ist es noch relativ einfach. Man kann Generatorenleistung vom Netz nehmen. Bevorzugt solche, die aus Kraftwerken stammt, die leicht regelbar oder ohne Probleme ab- und wieder eingeschaltet werden können. Ein Atomkraftwerk kann man ebensowenig schnell mal vom Netz nehmen wie ein Kohlekraftwerk. Wo Öl verbrannt wird ist es schon einfacher, Gaskraftwerke können sehr schnell angefahren werden, und am einfachsten ist es, die Leistung von Solaranlagen und Windparks abzuwerfen. Aber Letzteres ist verpönt. Die Investoren vertrauen auf ihre hochsubventionierte Einspeisevergütung, die Politik will sich mit großen Zahlen aus Regenerativen Energien schmücken, und so wird der erzeugte Strom über das europäische Verbundnetz dem Ausland angeboten. Teils gibt es dafür noch Geld, teils wird der Strom verschenkt, teils zahlt die Stromwirtschaft dem Ausland noch Prämien dafür, dass überflüssiger deutscher Strom überhaupt abgenommen wird. Dieser Irrsinn wird natürlich unter der Decke gehalten oder mit der kühnen Behauptung: „Wir produzieren mit Hilfe von Sonne und Wind so viel Strom, dass wir die Überschüsse noch exportieren können", ins Gegenteil verkehrt.

Über die andere Seite der Medaille wird nicht gesprochen. Es wird so getan, als käme es niemals vor, dass hoher Strombedarf und unzureichender Ertrag aus Solar- und Windstrom gleichzeitig auf das Netz einwirken würden. Doch genau das kommt, dank des Verlusts der mit Kernbrennstoffen betriebenen Grundlastkraftwerke, immer öfter vor und fordert von den Ingenieuren in den Netzwarten immer wieder Höchstleistungen unter kaum noch beherrschbaren Umständen ab. Die Ansage: „Da holen wir uns den Strom eben aus dem europäischen Verbundnetz", mag noch gelten, wenn bei europaweit normalem Strombedarf in Deutschland Wind- oder Sonnenflaute herrscht oder ein großes Kraftwerk wegen Wartungsarbeiten vom Netz genommen werden muss. Sie ist aber vollkommen unverantwortlich, wenn ganz normale „Risikolagen" betrachtet werden. Der erste Wintereinbruch dieser Saison hat das französische Stromnetz an den Rand des ganz großen Black-Outs gebracht. Von dort wäre in dieser Situation keine einzige Kilowattstunde ins deutsche Netz gelangt, was bedeutet, dass auch Deutschland abgeschmiert wäre, hätten wir gleichzeitig bei geringer Leistung der Regenerativen einen erhöhten Strombedarf bewältigen müssen.

Die deutsche Stromversorgung ist – politisch gewollt – vom Status hoher Versorgungssicherheit mit ausreichenden Kraftwerksreserven unversehens in den Status gerade noch ausreichender Versorgungssicherheit mit unzureichenden Kraftwerksreserven überführt worden. Dass wir dafür in Deutschland als Endkunden die höchsten Strompreise zu bezahlen haben, illustriert den Irrsinn zusätzlich, ist aber im Hinblick auf die E-Auto-Quote gar nicht relevant.

Fakt ist: Wir haben die Stromerzeugungskapazitäten, die erforderlich wären, um eine Pkw-Flotte mit einer tatsächlich CO2-Emissions-relevanten E-Automobil-Quote betreiben zu können, schlicht und einfach nicht verfügbar, und die Kapazitäten, über die wir verfügen, sind zu einem hohen Anteil (40%) extrem witterungsabhängig, also keineswegs zuverlässig nutzbar.

Fakt ist ferner: Selbst wenn wir über die notwendigen Stromerzeugungskapazitäten verfügten, käme der Strom nicht dort an, wo die E-Automobile aufgeladen werden müssten.

Das weiß Lieschen Müller nämlich üblicherweise auch nicht, dass Strom nicht in jedem beliebigen Leiter transportiert werden kann. Fließt zu viel Strom in einem Kabel, das dafür nicht ausgelegt ist, wird das Kabel heiß und gerät in Brand. Die Sicherungen in den Sicherungskästen der Wohnungen sind nicht dazu da, unvorsichtige Heimwerker vor Stromschlägen zu schützen, sie sind dazu da, das Abbrennen von Häusern wegen überlasteter Stromleitungen zu verhindern.

Die Leitungen, die heute den Stromtransport von den Kraftwerken zu den Umspannungsanlagen, von den Umspannungsanlagen zu den Ortsverteilungen und den Transformatoren, die unsere Netzspannung herstellen, bewältigen, sind so dimensioniert, dass sie eine Normallast problemlos und Spitzenlasten kurzzeitig verkraften können. Für den Ladestrom von am Ende mehr als 40 Millionen Personenkraftwagen sind sie nicht ausreichend dimensioniert.

Wie viel mehr Strom würden wir denn brauchen?

Kleine Nebenrechnung:

40 Millionen Pkw mit einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 12.500 Kilometer benötigen bei einem Durschnittsverbrauch von 7 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer insgesamt 35 Milliarden Liter Sprit, unter Berücksichtigung des im Vergleich zum Elektromotor geringeren Wirkungsgrades wären für die gleiche Fahrleistung 280 Milliarden Kilowattstunden oder 280 Terrawattstunden Strom erforderlich. Pro Tag ca. 770 Gigawattstunden, was bei gleichmäßiger Ladelast zusätzliche Kraftwerkskapazität von über 30 Gigawatt erfordern würde. Nun kommt jedoch das Theater mit den Ladezeiten dazu. Gefahren wird überwiegend tagsüber, mit Schwerpunkt in den so genannten rush hours, also zwischen etwa 6 und 9 Uhr morgen und 16 und 19 Uhr abends. Überwiegend würden die Ladezeiten also  mit rund 11 Stunden in die Nachtzeit fallen und – soweit Steckdosen auf den Firmenparkplätzen verfügbar sind, etwa 7 Stunden tagsüber anfallen. Doch auch für diese 18 Stunden ist eine gleichmäßige Ladelast die reine Illusion. Im Gegenteil, es muss damit gerechnet werden, dass in der Zeit zwischen 19 und 24 Uhr 80 bis 90 Prozent aller Ladevorgänge stattfinden, die sich in diesem Zeitraum zwangsweise für eine gewisse Zeit, und sei es nur eine halbe Stunde zeitlich überschneiden. In dieser halben Stunde müssten dann zusätzliche 600 Gigawatt ins Netz eingespeist werden. Die gesamte installierte Leistung aus allen Quellen liegt derzeit aber nur bei knapp über 200 Gigawatt.

Natürlich kann man mittels technischer Vorrichtungen Last „abwerfen", also schlicht keinen Strom liefern, um die Überlastung der Netze zu vermeiden. Das ist, für bestimmte Maschinen mit hohem Stromverbrauch bei denen es nicht auf kontinuierliche Energiezufuhr ankommt, schon heute möglich. Diese Technik auf Millionen von E-Auto-Ladeports zu übertragen, zentral gesteuert von den Netzbetreibern, ist auch nicht schwierig, das konnte man bei den außer Dienst gestellten Nachtspeicheröfen auch schon, ganz ohne Internet der Dinge und ohne 5G übrigens. Die Signale wurden über die Stromleitungen versandt und von so genannten „Rundsteuer-Empfängern" in den Sicherungskästen empfangen und umgesetzt.

Das Problem besteht darin, dass der einzelne Pkw-Nutzer nie mehr wissen wird, ob er am Morgen tatsächlich die volle Reichweite (die sowieso schon zu wünschen übrig lässt) zur Verfügung haben wird, oder nicht, und nicht einmal zu wissen, ob seine Batterie, wenn er nur noch zwei drei Stunden wartet, bevor er losfährt, auch wirklich voll sein wird.

Damit würde Deutschland in den Status eines gerade von einer Koalition der Willigen zusammengebombten Staates fallen, wo Stromabschaltungen und -Rationierungen das einzige Mittel sind, um die knappen Ressourcen nach den Erfordernissen der Kriegswirtschaft zu verteilen." (EWK)