24.06.2019

Kartoffel in Europa

Oh, wow. Die Einführung der Kartoffel in Europa war wohl eine kniffelige Angelegenheit. Wenn was schief ging, konnte es gleich mal zu einer Hungersnot kommen. Schlechte Nachricht, wenn man mal über Klimaverschiebungen nachdenkt.

Denn im Ursprungsgebiet in den äquatornahen Anden sind Tage und Nächte ähnlich lang, während es in Europa zur Sommersonnenwende mehr als 16 Stunden hell ist. Das beeinflusst den Erntezeitpunkt. Bei Anden-Kartoffeln, so schreiben die Forscher, würde in Europa die Knollenbildung nur in den kurzen Spätherbsttagen erfolgen - gefolgt von Frosttemperaturen, die die Pflanzen töten, bevor eine angemessene Lagerung der Nährstoffe in den Knollen erreicht würde. ...

Für die Züchtung moderner, ertragreicher Kartoffelsorten musste man die Pflanzen also an die hiesigen Tageslängen und Temperaturen anpassen.Die moderne europäische Kartoffel entstand demnach ab dem Ende des 18. Jahrhunderts durch Züchtung unter Verwendung chilenischer Sorten. Der Anteil von Genen, die von den ursprünglichen Andenkartoffeln stammen, nahm kontinuierlich ab. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hingegen stieg dieser Anteil wieder an. "Diese Verschiebung der Herkunft lässt darauf schließen, dass die Landwirte zu dieser Zeit möglicherweise ältere Kartoffelbestände wieder eingeführt haben, um die Hungersnot zu überwinden, die durch den Verlust von für Krankheitserreger anfälligen Pflanzen verursacht wurde." In Irland kam bei der großen Hungersnot 1845 bis 1849 infolge von Ernteverlusten durch Kartoffelfäule schätzungsweise eine Million Menschen ums Leben.