28.07.2019

Da müssen DIE was machen!

So was Ähnliches hatte ich von Erwin Pelzig schon mal gehört, sinngemäß: ich habe keine Lust, dauernd an meine Verantwortung als Konsument erinnert zu werden, da muß doch jemand anderes zuständig sein.

Hier taucht das Motiv wieder auf:

Der Soziologe Norbert Elias machte einst eine interessante Beobachtung über die 68er Proteste. Er fragte sich, woher diese Unduldsamkeit einer Generation kommt, die doch als erste nicht im Krieg, sondern im Frieden aufwachsen konnte. Und er stellte fest, das die Protestierenden aus einem Milieu kommen, wo das kindliche Wollen stark beachtet wurde. Pointiert sprach er von einem Protest verwöhnter Kinder, die bemerken, dass die Realität nicht so lieb ist wie Mami und Papi.

Die Heranwachsenden zogen daraus aber nicht den Schluss, dass nach der Kindheit nun eine Phase beginnt, die man Erwachsenwerden nennen könnte, sondern machten für ihre Enttäuschung die Realität selbst verantwortlich.

...

Was würde passieren, wenn alle, die bei FfF mitmachen, eine Selbstverpflichtung unterschreiben? Wir verzichten auf Flugreisen und reduzieren unseren Kleidungs- und Unterhaltungskonsum um die Hälfte.

Wenn nur eine Millionen junger und nicht mehr junger Menschen diese zwei Punkte unterschriebe, hätte der Protest ein neues Gewicht bekommen. Sie hätten sich selber investiert und damit ihre Rolle des unschuldigen Kindes verlassen. Dann könnten sie mit Stolz sagen, ihr braucht für eure Gesetze zu lange, wir fangen schon mal da an, wo alles ganz schnell gehen kann. Wir verändern unser Konsumverhalten. Der Panik der Fluggesellschaften und Konsumtempel wären sie sich augenblicklich sicher.

Leider geht Gretas Argumentation immer weiter in die andere Richtung. Bei ihrer kurzen Rede während ihres Berliner Auftritts Mitte Juli beruhigte sie alle Jugendlichen: „Ihr müsst kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihr nicht genug für die Umwelt tut. Ihr habt keine Verantwortung. Die liegt allein bei den Mächtigen." An dieser Stelle der Rede verstand ich die Ursache meines Unbehagens.

In Gänze lesenswerter Text von Bernd Stegemann.

Ich bin ja immer wieder erschüttert, wie wenige Mitmenschen in der Lage sind, aus sich selbst herauszutreten und sich die Gesamtsituation von der Seite aus anzusehen. Natürlich bin ich Teil des Problems!

Apropos Erwin Pelzig: In der letzten "Anstalt" sagte er sinngemäß: Wäre ich ein Nazi, würde ich mich zurücklehnen und zugucken, wie sich die demokratische Gesellschaft selbst demontiert. Ja, genau! Und weil ich keiner bin, rege ich mich auf über die neunmalklugen Schlaumeier, die gerade alles an die Wand fahren!