02.10.2019

Verantwortlich? Andere!

Nehmen wir etwa die Forderung der Fridays-for-Future-Bewegung, Emissionen zu versteuern, um so schnell wie möglich die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Frankreich zeigte Ende 2018, wo das enden kann. Macrons Erhöhung der Benzinsteuer bekamen vor allem Geringverdiener zu spüren, die jeden Tag mehrere Stunden zur Arbeit pendeln müssen und für die der schöne Traum einer grünen Zukunft vor allem eines bedeutete: die Bedrohung ihrer Existenz.

Zwar zeigt sich die Umweltbewegung offiziell von solchen Schicksalen betroffen. So fordern die FFF-Aktivisten auf ihrer Homepage, dass die Klimaziele „sozial verträglich" gestaltet werden und sie „keinesfalls zu Lasten von Menschen mit geringen Einkommen" gehen sollten. Konkrete Lösungen bleiben die Aktivisten jedoch schuldig. Vielmehr schieben sie die Verantwortung auf die Regierungen, die „entsprechende Konzepte" vorlegen sollen. Das Bündnis „Extinction Rebellion" behauptet gar, dass es seit „Jahrzehnten genügend Lösungen und Ansätze" geben würde, weswegen sich die Umweltschützer gar nicht erst den Kopf zerbrechen wollen. Kurz gefasst: Keine Ahnung, was wir mit dem Pöbel machen. Kümmert ihr euch doch drum!

Keine Ahnung von Politik …

Das Abgeben von Verantwortung, wenn man selbst nicht mehr weiterweiß, kommt in der Klima-Debatte häufig vor. Greta Thunberg und ihre Anhänger, der blauhaarige Musiker Rezo, aber auch manche Politiker verweisen dann häufig auf den absoluten Heilsbringer, der den Globus im Handumdrehen in eine grüne Oase verwandeln wird: „den Experten". Motto: „Wir müssen nur auf die Experten hören, dann würde schon alles gut werden."

Wäre es doch so einfach. Leider funktioniert so Politik nicht. Politiker vertreten die Interessen des Volkes. Wenn die Wähler lieber eine konservative Partei als eine Grüne Partei wählen, dann kann die konservative Partei nicht an den Interessen ihrer Wähler vorbeiregieren, nur, weil Wissenschaftler und Experten Zahlen auf den Tisch legen.

Das kürzlich verabschiedete Klimapaket der Koalition hat es gezeigt: Realpolitik ist mitunter zermürbend. Man muss verhandeln, Konflikte austragen, Kompromisse eingehen, Wählerinteressen berücksichtigen, komplexe Zusammenhänge verstehen und sich bessere Alternativen überlegen. Das macht keinen Spaß. Das ist anstrengend. Bequemer ist es, auf eine Demo zu gehen, gemeinsam Plakate zu malen, zu streiken, über SUVs und industrielle Landwirtschaft zu schimpfen und mit dem Finger auf einen klaren Schuldigen zu zeigen: „die Kapitalisten", „die Industrienationen", „die Regierungen".

… und von Wirtschaft

„Wir stehen am Anfang eines Massensterbens und alles, was euch interessiert ist Geld und das Märchen vom ewigen Wirtschaftswachstum", beschwerte sich Greta Thunberg auf der UN-Klimakonferenz in New York. Das ist genau das verschrobene Bild, das viele Linke, Grüne und Jugendliche von Politik haben: Der skrupellose Kapitalist, der aus reiner Profitgier die Erde ausbeutet, Arten ausrottet und den Regenwald abholzt.

Auch das entspricht nicht der Realität. Produkte mit einer hohen CO2-Bilanz werden nicht deswegen produziert, weil der gierige Kapitalist die Welt brennen sehen will, sondern, weil es eine große Nachfrage nach günstiger Ware gibt. Der Konsument bestimmt den Markt. Nicht der Kapitalist. Und der Konsument lebt weltweit – vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern – in fataler Armut und steht deswegen auf billige und somit dreckigere Produkte.

Die Sache mit dem Konsumenten wollen die Damen und Herren und Diversen Schlaumeier natürlich nicht hören.